Glendalough

Rund vierzig Kilometer südlich von Dublin in den Wicklow Mountains, liegt die Ortschaft Glendalough, auch bekannt als „Tal der zwei Seen“. Allein der Ausblick auf die beiden naturbelassenen Seen, inmitten von Bergen und Wäldern, reicht aus um einem den Atem zu rauben. Nichts desto trotz steht dort noch eine weitere von Irlands berühmten Klosteranlagen, dessen Geschichte zurück ins 6. Jahrhundert reicht.
Damals lebte hier der Heilige Kevin, welcher die Einsamkeit und Verbundenheit mit der Natur zu schätzen wusste. Aus seinem Vorhaben sich dort zurück zu ziehen wurde leider nichts, denn Glendalough wurde schnell ein belebter Ort. Auch sagt man dem Heiligen Kevin nach, dass er Probleme mit Frauen gehabt habe. So soll er einmal zum Beispiel einer hartnäckigen Verehrerin einen Strauch Brennnesseln ins Gesicht geschlagen haben oder – so der Volksmund – vor den „unheilig blauen Augen“ der Messdienerin Kathleen in die Felsen oberhalb der zwei Seen geflohen sein. Als sie ihn dort oben aufspürte schubste er sie in den See, wo sie ertrank. Voller Reue konvertierte er zum christlichen Glauben und gründete das heute so berühmte Kloster am unteren der zwei Seen. Übrigens sagt man dem Tal nach es sei verzaubert, denn die Arbeiter damals schworen „mit dem Zwitschern der Lerchen aufzustehen und mit den Lämmern schlafen zu gehen“. Da der Vogel sehr früh zwitschert waren sie bald erschöpft, so betete der heilige Kevin um eine Lösung. Seit jeher sang keine Lerche mehr in dem Tal.
Auch nachdem Kevin 618 n. Chr. im Alter von 120 Jahren starb, blieb das Kloster belebt. Bis ins 12. Jahrhundert sollen hier an die 3000 Menschen gelebt und gearbeitet haben. Das Klostergelände zierte sich um einen 31 Meter hohen Rundturm, der auch heute noch erhalten ist und zu seiner Blütezeit standen hier sieben Kirchen. So kam es, dass auch Glendalough eines von Irlands wichtigsten geistlichen Zentren wurde, sodass man es das „irische Rom“ nannte. Leider erlag auch dieses Kloster dem tragischen Schicksal geplündert und brandgestiftet zu werden, unter anderem von den Wikingern und 1398 von den Normannen. Trotzdem kehrten einige Gläubige jedes Jahr zur Fastenzeit dorthin zurück, um in einer Höhle bekannt als St. Kevin’s Bed für 40 Tage und Nächte zu fasten. Auch heute, etwa am 3. Juni jeden Jahres, wird der St. Kevin’s Day gefeiert, an dem tausende Gläubige die Stätte bepilgern. Bei Natur pur – soweit das Auge reicht, ist das kein allzu unschönes Unterfangen. „Wenn Sie das wilde und romantische Irland in seiner reinsten Form erleben wollen, ist Glendalough genau das richtige für Sie“, rät das Reisemagazin Lonely Planet. Wer mehr über die Geschichte und Bedeutung dieses Ortes erfahren möchte, kann eine der Vorstellungen im Visitor Center besuchen.
Sie sollten unbedingt ein paar Tage Zeit und gute Schuhe mitbringen! Das Tal liegt im Wicklow National Park und es gibt neun verschiedene Wanderrouten zu den Seen, durch die Berge oder zu Wasserfällen. Wanderkarten sind vor Ort erhältlich und der St. Kevins Bus bietet Tagestouren von Dublin aus an. Natürlich können Sie auch selber vorab einen Mietwagen buchen.